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Die O-Klubanlage des MEKW am Krebsbachweg in Wil 

Arthur Vogel, MEKW, überarbeitet und ergänzt von Willy Bräker, MEKW 

Nach wirklich abenteuerlichen Irrfahrten und Anlagebauten in und um Wil an sieben verschiedenen Standorten erreichten wir nach 17 Jahren am 10. Juli 1965 unser Ziel. Mit dem Bezug des neuerbauten Klubheimes ging unser Traum in Erfüllung, und wir konnten mit dem Bau der 200 Quadratmeter grossen Modelleisenbahnanlage beginnen. 

Streckenführung
Die Streckenführung auf unserer Klubanlage wurde schon vor der Erstellung optimal geplant. Der minimale Kurvenradius beträgt 2 m und die maximale Steigung 1.8% . Die sichtbaren Streckenabschnitte mit langen Geraden und weiten Gegenkurven erlauben, dass auch lange Züge mit 12 Einheitswagen und USA-Güterzüge mit Zwischenloks auf ihrer ganzen Länge verfolgt werden können. Sorgfältig wurde darauf geachtet, dass nicht zu viele Gleise gelegt wurden, was dem Betrachter einen besseren Überblick gibt. Die totale Streckenlänge beträgt zirka 600 m. Auf der Anlage befinden sich drei Bahnhöfe: Der Hauptbahnhof mit Güterumschlag und Abstellflächen, ein kleinerer Personenbahnhof und ein grosser Abstellbahnhof, nicht von aussen sichtbar unter dem hinteren Anlagenteil. Vom Personenbahnhof aus führt eine Om Schmalspur-Bergstrecke in mehreren Schlaufen zum höchsten Anlagepunkt.
Beim Realisieren der Anlage waren wir uns immer bewusst, dass zuerst die Landschaft da war und die Bahn hineingebaut wurde. Wichtig war auch die gute Zugänglichkeit zu allen Anlagenteilen. Die Besucher werden auf verschiedenen Ebenen durch die Anlage geführt und haben so die Möglichkeit, die Züge und die Landschaftsgestaltung aus allen Perspektiven zu sehen.
Im Laufe der Zeit führten wir verschiedene kleinere Modifikationen an der Streckenführung durch. In den letzten Jahren wurde der Hauptbahnhof inklusive Güteranlage komplett neu konzipiert. Dieser Teil der Anlage wird zur Zeit neu aufgebaut.

Gleisanlage
Vor Baubeginn stellte sich die Frage nach der geeigneten Schienennorm. Wir entschieden uns für das 3,5 mm hohe Stahlprofil vom VDB, das mittels der bekannten Schienennägel von A. Strub, Zofingen, auf Holzschwellen von 4 x 6 x 60 mm montiert wurde. Diese Bauart erwies sich wohl als sehr schön und stabil, aber auch als sehr aufwendig und zeitraubend. Später wichen wir auf das Kunststoffschwellengleis von Hego mit der entsprechenden Schaumstoffbettung aus. Aber auch diese Bauart hatte ihre Tücken, unser Profil liess sich infolge des hohen Schienenfusses nur schwer in die Schwellen einziehen. Später stellte sich heraus, dass der Kunststoff spröde wurde, dadurch brachen die Schienenbefestigungen. Auch der Schaumstoffuntersatz hatte keine lange Lebensdauer, er zersetzte sich. So initiierten wir die Entwicklung eines Schwellenbandes, das die obigen Nachteile ausschloss. Mit diesen heute weit verbreiteten Schwellenbändern haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht. Im Laufe der Zeit wurde auf der ganzen Anlage das Hego-Gleis ausgetauscht und zugleich die Kurvenerhöhung eingebaut. Diese entspricht zwar nicht der SBB-Norm im Massstab 1:45, sondern sie wurde aufgrund von Erfahrungen aus dem Modellbahnbetrieb angepasst. Alle sichtbaren Gleise wurden mit Natursteinen eingeschottert. Das ergibt eine ungleich bessere Wirkung und eine grössere Stabilität der Gleise. Aber auch mit dem Holzschwellengleis nach der Strub Methode erlebten wir später böse Überraschungen. Beim Einbau des zuggesteuerten Streckenblockes wurden starke Kriechströme festgestellt, die die Funktion störten. Nach langem Suchen konnte der Grund gefunden werden: Die durch die Holzschwellen geführten und nach unten umgebogenen Schienennägel leiteten Strom über die zementartige Gleisbettung, auf die sie aufgeklebt waren! So musste auch unser schönes Holzschwellengleis inklusive Unterlage ersetzt werden.
Die Weichen wurden mit Ausnahme derjenigen im Güterbahnhof nach der StrubMethode selbst gebaut. Im Güterbahnhof gelangten Hego und später Euro-Rail Erzeugnisse zum Einbau. Im Sinne eines Kompromisses sind alle Weichen so gebaut, dass Normräder (NMRA und Fine Scale) mit einem Radsatzinnenmass von 28,8 mm bis 29,0 mm einwandfrei darüberrollen.
Für den neu entstehenden Hauptbahnhof haben wir eigene Weichen von höchstem Modellbaustandard entwickelt. Die Schienenbefestigungsplatten sind aus feinst detaillierten Schleudergussteilen hergestellt. Da die Herzstücke und die Schienenprofile in den Weichen sehr stark beansprucht werden, verwenden wir weiterhin unser bewährtes Stahlprofil. Erste Weichen dieser Bauart sind rechtzeitig zu unserem 50jährigen Bestehen fertig eingebaut worden und werden erstmals am Jubiläums-Fahrbetrieb auf Probe gestellt.
Die für den Endausbau als Attrappe vorgesehene Fahrleitung ist auf einem kurzen Teilstück montiert und hinterlässt einen ausgezeichneten Eindruck. Weitere Fahrleitungsmasten sowie die noch fehlenden Signale sind seit einiger Zeit im Bau.

Anlagen-Unterbau
Für den Hauptbahnhof und alle auf derselben Höhe liegenden Gleise wurde ein massiver Holzunterbau verwendet. Die senkrechten Stützen sind dabei teilweise eingemauert und genau ausnivelliert. Als Fahrbahnplatte dient 19 mm starkes Novopan, das mit dem Unterbau verschraubt wurde. Für die Bergstrecken wurde dann eine massive, aus elektrisch verschweissten Vierkantstahlrohren bestehende Konstruktion gewählt. Die Fahrbahn ist ebenfalls aus Novopan. Diese Bauart kam später auch für den Unterbau im Hauptbahnhof zur Anwendung. Alle Brücken fertigten wir aus Metall. Meisterhaft nachgebaut ist die Trisannabrücke, welche den Zuschauergang überspannt. Die Fachwerkbrücken wurden aus abgekanteten und punktgeschweissten Profilen gefertigt. Die Steinbogenbrücken sind aus genietetem galvanisiertem Blech, das dann zur Nachbildung des Mauerwerkes mit Kunststoff verkleidet wurde. Die Tunnelportale sind gleich konstruiert und innen mit Blechbogen versehen. Interessant ist vielleicht noch die Tatsache, dass wir das Lichtraumprofil den USA-Bahnen angeglichen haben, um die Liebhaber dieser Modelle nicht vom Fahrbetrieb auszuschliessen.
Aber auch im massiven, geschweissten Unterbau zeigten sich Schwächen. Da die Fahrbahn als selbständiges Element gebaut wurde, war sie nicht überall mit der übrigen Landschaftskonstruktion verbunden. Durch das Begehen bildeten sich viele unschöne Risse. So verstärkten und ergänzten wir in langwieriger und zeitraubender Arbeit die ganze Konstruktion. Unsere Metallbauspezialisten und der ständig griffbereite Schaumlöscher können davon endlose Geschichten erzählen! Unlängst brannte infolge Funkenwurfs beim Schweissen ein kleineres Waldstück ab. Dies wirkte so dramatisch, wie wir es von Fernsehbildern von Waldbränden im Süden kennen.

Anlage im Rohbau

Landschaftsgestaltung
Die tragende Stahlkonstruktion wurde mit Maschengitter und Fliegensieb überspannt. Darauf trug man Spachtelmasse auf, welche anschliessend begrünt wurde. Diese Konstruktion erwies sich ebenfalls als Flop, da sie nur bedingt begehbar war und allzu oft einbrach. Bei den vorher erwähnten Korrekturarbeiten am Unterbau wurde dies dann teilweise entfernt und nach umfangreichen Anpassungen durch Pressspanplatten ersetzt.
Unser beliebtestes Geländebaumaterial ist der Fassadenverputz als Spachtelmasse. Er ist wasserlöslich, lässt sich auf alle Arten bestens modellieren und härtet wunderbar aus. Auch die anschliessende Bemalung mit Dispersionsfarben ist problemlos. Zum Streuen verwenden wir Material von Woodland-Scenic. Felspartien bestehen aus Sagex, Korkrinde oder ebenfalls aus Spachtelmasse. Das Flussbett, das an den Zuschauerraum grenzt, besteht aus glasfaserverstärktem Polyester und ist wasserdicht. Damit der Wasserverbrauch nicht ins Uferlose steigt, haben wir eine Umwälzpumpe montiert, die den verbauten Bergbach immer neu zum Sprudeln bringt.
Auch wenn die Landschaftsgestaltung noch nicht fertig ist, zeigen doch einige Partien, wie realistisch und vorbildgetreu eine Klubanlage gestaltet werden kann. Ein schönes Beispiel ist das von Könnerhand gebaute Rebgelände mit Herrschaftsvilla, Nebengebäude und Burgruine, welches oberhalb von Fluss- und Bahnlinie liegt. Ebenfalls eindrücklich ist das Toggenburgerdorf und die Waldpartie im Hintergrund, welche aus mehreren hundert einzelnen Tannen besteht. Für die Gestaltung von Tannen, Bäumen und Sträuchern wird ebenfalls Material von Woodland-Scenic verwendet. Auch die vor 20 Jahren erstellte Burganlage im vorderen Anlagenteil wirkt heute noch prägend.

Burg im Rohbau

Anlagen-Steuerung
Gefahren wurde bis vor 2 Jahren mit Zweileiter-Gleichstrom von einer alternden Nickel-Ferrum-Batterie, welche drei konstante Spannungen für Ebene, Berg und Talfahrt abgegeben hat. Bei langen Fahrbetrieben genügte die Leistung der Batterie nicht mehr vollständig und die Aufwendungen, um diese am Leben zu erhalten, wurden immer grösser. Daher wurde die Batterie schrittweise und später ganz durch moderne Transformatoren mit den gewünschten Spannungen ersetzt. Zwei zuggesteuerte, elektronische Streckenblocksysteme mit Beschleunigungs- und Bremsautomatik sowie automatischer Besetztauswertung sind seit längerer Zeit in Betrieb. Diese wurden durch unsere Elektrospezialisten mit viel Engagement selber entwickelt. Die Anlagenverdrahtung wurde in letzter Zeit vervollständigt und ist nun soweit vorbereitet, dass später ohne zusätzliche Einspeisungen und Verdrahtungen ein Pendelbetrieb, Gleiswechselbetrieb sowie Fahrstrassenschaltungen im Hauptbahnhof einfach realisiert werden können. Eine Einspeisung des Fahrstroms über die Oberleitung ist nicht vorgesehen, da die sehr filigrane Ausführung des Fahrdrahts dies nicht zulässt.

Ruine

Schlussbemerkung
Wir bauen jetzt über 30 Jahre an unserer Anlage! Eine lange Zeit - noch ist kein Ende in Sicht. Bei Baubeginn hatte niemand Erfahrung mit dem Erstellen einer 200 m2 grossen Klubanlage. Im Laufe der Zeit stellten sich den Klubmitgliedern immer wieder neue Herausforderungen. Waren es anfänglich vor allem Probleme mit dem elektrischen Teil, kamen später bauliche und Landschaftsprobleme hinzu. Durch die den Modellbauern angeborene Perfektion und dank neuen Materialien für den Anlagenbau sind wir über all die Jahre ständig am Verbessern und Erneuern von Anlagenteilen. Auch im Gleis- und Weichenbau wurden im Laufe der Zeit neue Massstäbe bezüglich Modellbautreue gesetzt. Die gemachten Kompromisse bezüglich Norm der Gleisanlagen hatten jedoch bis heute Bestand. Dies ermöglicht uns bis heute, sowohl Eigenbau- als auch Industriemodelle auf unserer Anlage fahren zu lassen.
Sehr schön ist die ganze Entwicklung der Modellbaustandards der letzten 30 Jahre an unserer Klubanlage zu erkennen, trotz den vielen Änderungen und Erneuerungen. Immer wieder dürfen wir erfreut feststellen, dass bereits vor 30 Jahren vorausblickend und grosszügig geplant wurde, und es ist oft eine Freude, an dieser Anlage weiterzubauen. Eine Klubanlage wie unsere darf auch zeigen, dass verschiedene Klubmitglieder mit verschiedenen Ideen zu verschiedenen Zeiten in unzähligen Freizeitstunden an diesem Gemeinschaftswerk gearbeitet haben.


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